Theater Das letzte Kleinod auf den Spuren Fontanes

„Souvenir 1870“ geht nach der Premiere in Senftenberg mit der Eisenbahn auf Tournee. Die Aufführungen in Celle finden am 31. August und 1. September 2019 um 20.00 Uhr statt an der Gleisanlage OHE, Biermannstr. 36

Kurz vor Niedrigwasser erreichte der Fischer die Austernbänke. Der alte Kutter fuhr knirschend auf den Sand. Es blieb ihm nur wenig Zeit für die Austernernte, bevor die Flut wieder auflaufen sollte. Doch dieses Mal hatte er mehrere Helfer an Bord. Eine Gruppe von Schauspielern des Theaters Das Letzte Kleinod ging ihm bei der Arbeit auf dem Meeresgrund zur Hand. Mit dabei war der Schauspieler Richard Gonlag, der bereits im letzten Jahr Kaiser Wilhelm in der Vorstellung „Wilhelm*ina“ darstellte. Die Schauspieler sind für eine ungewöhnliche Spurensuche auf die Île d’Oléron gereist: In der Festung der französischen Atlantikinsel war der Schriftsteller Theodor Fontane während des Deutsch-Französischen Krieges als Gefangener interniert. Anlässlich des zweihundertsten Geburtstags Fontanes werden seine Erlebnisse jetzt in der Theatervorstellung „Souvenir 1870“ erzählt.

Fontane drehte am Morgen seine Runden auf dem Festungswall. Von dort aus konnte er die Bucht bis nach La Rochelle überblicken. Da Richard Gonlag in der Vorstellung „Souvenir 1870“ den Dichter und Kriegsberichterstatter Fontane darstellen wird, schritt er wie Fontane mehrmals die 130 Schritte auf dem Rempart der Zitadelle hin und her. Bei Niedrigwasser sah Fontane den Austernfischern in der Ferne zu. Und hier gab er sich auch seiner Sehnsucht nach der Heimat hin. Nach dem Morgenspaziergang zog sich Fontane dann zum täglichen Schreiben zurück, dabei entstand sein Bericht über die Gefangenschaft auf der Île d’Oléron. Ob Fontane während seines Aufenthaltes Austern bekam, ist nicht überliefert. Die Schauspieler aber verschafften sich während ihrer Recherchereise einen tiefen Einblick in die Ernte und die Verarbeitung von Austern. Und probierten die Meeresfrüchte dabei natürlich ausgiebig. Einige Schauspieler fuhren mit einem Austernfischer zu den Austernbänken

und lernten die mühselige Arbeit der Austernfischerei unter der sengenden Sonne des Atlantiks zumindest für einen Tag lang kennen.

Doch nicht nur die Austern standen im Fokus der Recherche. Fontane notierte damals zahlreiche Beobachtungen über die Landschaft, die Arbeit und die Kultur. Diese Aufzeichnungen nahmen die Schauspieler zum Anlass, um auf die traditionellen und heutigen Besonderheiten der Landschaft zu schauen. So halfen sie den Salzfischern bei nachmittäglicher Hitze, das Fleur de Sel von den Salzteichen zu schöpfen. Die Schauspieler besuchten das Katzenasyl, um nach den Nachkommen von Fontanes Katze Blanche zu suchen. Im Garten eines herrschaftlichen Hauses trafen sie sich mit der neunzigjährigen Tochter eines ehemaligen Festungskommandanten der Zitadelle. Eine 97-jährige ehemalige Austernfischerin, die als junge Frau lieber Krankenschwester geworden wäre, zeigte einer Schauspielerin, wie sie den traditionellen Sonnenschutz Quichenotte anfertigen kann. Richard Gonlag traf sich mit einem Historiker, der sich auf den Aufenthalt Fontanes auf der Île d’Oléron spezialisiert hat und erfuhr so Fakten am authentischen Ort, der Zitadelle. Aus vielen Gesprächen und Erlebnissen entstand ein Theaterstück, das die Geschichte Fontanes aus heutiger Sicht beschreibt.

Eine erste Werkstattaufführung fand Mitte Juli in einer Bastion der Zitadelle statt. Die Schauspieler studierten dafür ihren Text auf Französisch ein, eine besondere Herausforderung in dem kurzen Zeitraum der Proben und der Recherchen vor Ort. Mit Erfolg, denn zahlreiche Gäste applaudierten begeistert und der Bürgermeister von Le Chateau d’Oléron bedankte sich für die Aufarbeitung der Lokalgeschichte. Jetzt ging die Reise wieder nach Deutschland, wo am Güterbahnhof von Senftenberg an der Uraufführung der Vorstellung „Souvenir 1870“ gearbeitet wird. Mit im Gepäck hatten die Schauspieler 50 historische Austernkörbe, viele Gerätschaften und eine originale Schubkarre aus der Salzgewinnung, die mindestens so alt wie Fontanes Erzählung ist.

„Souvenir 1870“ geht nach der Premiere in Senftenberg mit der Eisenbahn auf Tournee durch Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die Aufführungen in Celle finden am 31. August und 1. September 2019 um 20:00 Uhr statt an der Gleisanlage OHE, Biermannstr. 36. Hier machte der Theaterzug von Das Letzte Kleinod bereits im Sommer 2018 Station mit seinem Dokumentartheater „WILHELM*INA“. Das reisende Theaterprojekt „SOUVENIR 1870“ ist eine Kooperation des Theaters Das Letzte Kleinod mit dem Deutschen Bühnenverein/ Landesverband Ost sowie den Theatern Neue Bühne Senftenberg, Staatstheater Cottbus, Hans-Otto-Theater-Potsdam und dem Theater der Altmark Stendal und findet im Rahmen der 11. Theatertage statt.

Aufführungen „Souvenir 1870“ in Celle:
31. August und 1. September 2019 um 20:00 Uhr Gleisanlage OHE, Biermannstr. 36, 29221 Celle
Tickets und Info: www.das-letzte-kleinod.de

Anschließend:
03. – 05. September 2019 Worpswede 07. – 08. September 2019 Geestenseth
Beginn der Vorstellungen jeweils um 20:00 Uhr


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Event-Termine

  • 31. Aug 2019 - 20:00 Uhr
  • 01. Sep 2019 - 20:00 Uhr

Zielgruppe

  • Für alle

Schauplatz

Veranstaltungsort

Gleisanlage OHE
Biermannstr. 36
29221 Celle

Veranstalter

Das Letzte Kleinod
Schienenweg 2
27619 Schiffdorf-Geestenseth
Telefon: 0)4749-10 25 63

www.das-letzte-kleinod.de

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